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Neunter„Health Circle“ der Initiative Gesundheitswirtschaft: 
"Chancen der beruflichen Integration von Flüchtlingen auf dem Brandenburger Arbeitsmarkt"

Potsdam, 28.04.2016
foto veranst health circle9Die Gesundheitsregion kann von der großen Zahl nach Deutschland und speziell nach Brandenburg Geflüchteter profitieren, wenn die verschiedenen Akteure abgestimmt handeln und sich intensiv um die Qualifizierung geeigneter Menschen kümmern – dies ist das Fazit des 9. „Health Circle“ der Initiative Gesundheitswirtschaft Brandenburg e.V. (IGW-BB) am 28. April 2016 in Potsdam. Rund 60 Gäste konnte Jürgen G. Waldheim, Vorstandsvorsitzender der IGW-BB zu einer spannenden Diskussion in der Manege des Kutschstalls in Potsdam begrüßen. Diese zeigte: Bereits jetzt gibt es zahlreiche beispielhafte Ansätze, es stehen Förderinstrumente bereit – aber auch zahlreiche Hindernisse müssen überwunden und mit so manchem Vorurteil aufgeräumt werden. Moderiert durch Elimar Brandt, Vorstandsvorsitzender der PflegeZukunfts Initiative e.V., diskutierten Anja Spiegel, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Potsdam, Dipl.-Ing. Marco Bünger, Geschäftsführer von ADLER MANAGEMENT Berlin_Stockholm, Kai Simmerl vom Projekt „bea-Brandenburg – Betriebliche Begleitagentur“, die SPD-Landtagsabgeordnete Britte Müller und Kai-Uwe Michels, Geschäftsführender Gesellschafter der Brandenburg Klinik Bernau-Waldsiedlung GmbH BKB & Co. KG.

Anja Spiegel nannte Zahlen für den Agenturbezirk Potsdam, zu dem auch der Landkreis Potsdam-Mittelmark und die Stadt Brandenburg an der Havel gehören. Von den hier lebenden 1.100 Asylberechtigte sowie rund 800 Asylbewerbern und Geduldeten besitzen 34 Erfahrungen im Gesundheitswesen und in der Pflege. Doch vor allem jüngere Geflüchtete, die mit großer Motivation nach Deutschland gekommen seien, könnten für Ausbildung und Qualifizierung im Gesundheitswesen und speziell in der Pflege gewonnen werden. Marco Bünger stellte Ansätze zur Integration in Schweden vor: „Dort geht man sehr pragmatisch vor“, sagte er. „Ein Beispiel ist eine mehrsprachige App, in der Flüchtlinge die Möglichkeit haben, ihre Kompetenzen selbst vorzustellen und zu bewerten. Ein Smartphone besitzen alle, es ist ihre Verbindung nach Hause und zu wichtigen Informationen. Bis zu 130.000 Flüchtlinge haben diese Selbstbewertung ausgeführt, mit diesen Informationen kann man nun zielgerichtet und schnell Gespräche führen und Angebote organisieren.“ ADLER MANAGEMENT entwickelt Module für die Integration, gemeinsam mit der Erstaufnahmeeinrichtung Eisenhüttenstadt, dem Klinikum Niederlausitz und der Arbeitsagentur werden geeignete Personen für Gesundheitsberufe identifiziert und ihnen individuell passfähige Bildungsangebote unterbreitet. Entscheidend für erfolgreiche Integration sei aber auch, den Arbeitgebern interkulturelle Kompetenz zu vermitteln. Dies bestätigte Kai Simmerl, der als Betriebscoach Unternehmen bei der Einarbeitung und Qualifizierung von Migranten und jetzt auch von Geflüchteten unterstützt. „Integration ist ein langwieriger Prozess, in dem es nicht nur um Förderinstrumente geht“, sagte er. „Wir müssen erreichen, dass auch die Führungskräfte und Mitarbeiter der Unternehmen sich neuen Erfahrungen öffnen und bereit sind, bei der Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Kulturkreisen Neues zu entdecken.“ 

Die Landesregierung versteht Integration als erstrangige Aufgabe über alle Politikfelder hinweg, dies unterstrich die Landtagsabgeordnete Britta Müller. Sie verwies auf das Integrationsprogramm des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen sowie die Unterstützung zahlreiche Initiativen. Einen wichtigen Beitrag leiste zum Beispiel die Arbeitsgruppe der Landesärztekammer zur Kompetenzfeststellung von syrischen Ärzten, ähnliche Angebote gebe es für Pflegeberufe. Kai-Uwe Michels berichtete, wie Integration vor Ort funktioniert. Die Brandenburg-Klinik hat Kontakt zu Asylbewerberunterkünften in Wandlitz aufgenommen und sich bei Asylbewerbern vorgestellt. Acht nutzten das Angebot zu einem Praktikum, zwei sind derzeit noch auf dem Campus. Gemeinsam mit dem Berufs- und Informationszentrum der Berliner Handwerkskammer werden jetzt weitere Angebote entwickelt. „Wir brauchen nicht nur medizinisches und Pflegepersonal dringend, sondern auch Maler, Gärtner und andere Handwerker. Und wir werden nicht lockerlassen, um solche motovierten Menschen dauerhaft an uns zu binden!“ 

Wie statistische Angaben auch Vorurteile bedienen können, zeigte sich in der Diskussion: Wenn es zum Beispiel heißt, dass 80 Prozent der nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge keinen Berufsabschluss besitzen, dann sagt das über deren tatsächliche Kompetenz nichts aus. „Manche haben mehrere Semester studiert, andere längere Zeit in Berufen gearbeitet“, so Anja Spiegel. „Doch eine duale Ausbildung gibt es in ihrer Heimat nicht und im Bürgerkrieg kann es auch kaum noch geordnete Ausbildung geben“, so Anja Spiegel. Lernbereitschaft und Wille seien jedoch meist riesengroß, und diese Motivation gelte es zu nutzen. Dies schneller als bisher zu tun, Fördermöglichkeiten auszuschöpfen und vor bürokratischen Hindernissen nicht zu kapitulieren, forderte Elimar Brandt vehement. „Das Potenzial, das die Flüchtlinge mitbringen, ist ein großer Schatz!“

Weitere Informationen zur Initiative Gesundheitswirtschaft Brandenburg unter www.igw-bb.de


PDFPresseinformation neunter Health Circle am 28.04.2016





 




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